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Geschichte von:
 

© Elke Heidenreich und Bernd Pfarr

 
 
Carl Hanser
 
Stand 28.9.1999

 

   
       
       
 

Elke Heidenreich

Sonst noch was  
 

 

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Ich war elf Jahre alt, und es war der Beginn der Sommerferien. Meine Mutter brachte mich zum Bahnhof, weil ich zu meinem Onkel Hans in den Westerwald fuhr. Das passte ihr gar nicht, und sie nörgelte die ganze Zeit herum: »Ausgerechnet. Ausgerechnet zu Onkel Hans«, sagte sie. »Sonst noch was.« (>Sonst noch was< war ihr Lieblingssatz.) »Diese Wirtschaft kann ich mir schon vorstellen. Wasch dir ja den Hals. Und die Füße.«
»Jaja«, sagte ich und versuchte, sie nicht merken zu lassen, wie sehr ich mich auf diese Reise freute. Ich mochte Onkel Hans nämlich gern und war traurig darüber, dass er seit einiger Zeit nicht mehr bei uns wohnte. Er war Mutters älterer Bruder, unverheiratet, und er hatte jahrelang ein Zimmer bei uns bewohnt. Sie kochte und wusch für ihn und schimpfte mit ihm herum: »Rauch nicht so viel!«, »Was, schon wieder ein Schnäpschen?«, »Du könntest
auch mal wieder zum Friseur gehen!«, und so weiter, den ganzen Tag, und er streckte ihr hinter dem Rücken die Zunge heraus und zwinkerte mir zu.
Onkel Hans spielte Lotto, immer dieselben Zahlen, und eines Tages hatte er tatsächlich gewonnen, und zwar tüchtig. Das ist wirklich wahr! Er hatte fünf Richtige und hat ein paar hunderttausend Mark dafür bekommen. Davon hatte er meiner Mutter etwas gegeben, weil auch ihr Geburtstag unter den Gewinn-zahlen war, die 27 und die 6, und weil sie immer gejammert hatte: »Ich weiß nicht, wieso die Kartenkämper'sche sich so aufdonnern kann, seidene Tücher, Hüte und dauernd neue Schuhe, ich jedenfalls kann mir das nicht leisten, und sie ist doch auch nichts Besseres! «
 
       
     
     
    ISBN 3-446-19742-7  

 

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