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Geschichte von:
 

© Olof Landström

 
 
CARLSEN
 
Stand 23.9.1999

   
       
       
 

Blaubeerland  
 

 

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Ich heiße Botvid. Ich weiß nicht, warum. Fast alle nennen mich Botti. Das klingt albern und kindisch, finde ich, aber den anderen ist das egal. Und ganz besonders meinen Geschwistern. Ich hab elf Stück. Sieben Brüder und vier Schwestern. Außerdem hab ich eine Mama und einen Papa. Im Sommer wohnen wir immer alle in einem alten Holzhaus und im Winter, wenn die meisten von uns zur Schule gehen, wohnen wir in einem alten Haus aus Stein. Ich will ein bisschen erzählen, wie das Sommerhaus aussieht, weil die Geschichte davon handeln soll, was wir im Sommer machen. Deshalb spielt es ja keine Rolle, wie wir in der Stadt wohnen.
Das Sommerhaus hat zwei Stockwerke, viele Fenster und einen Speicher mit schrägen Wänden und auch vielen Fenstern. Es ist so windschief, dass es richtig gefährlich aussieht, wenn man es zum ersten Mal sieht. Im Erd-geschoss ist unsere Wohnstube. Die ist voll gestopft mit Sachen. Mitten im Zimmer steht ein großer Tisch aus Kiefernholz und zu beiden Seiten lange Holzbänke. An einer Kette hängt eine gusseiserne verschnörkelte Petroleumlampe von der Decke. Vor dem geblümten Ecksofa in der Fensterecke stehen ein Schaukelstuhl und ein acht-eckiger Teetisch mit Zeitungsablage. Im Eckfenster haben ein Radio und eine Schneckenhaussammlung Platz. Auf dem Fries überm Kachelofen kann man eine Reihe sonderbar geformter Steine und Holzstückchen bewundern. Und an den Wänden hängen eingerahmte Fotografien von Tanten und Onkeln und fünfzehn Gemälde, die Mama gemalt hat. Auf dem Fußboden liegen kreuz und quer Fleckenteppiche. An der einen Schmalseite steht ein riesiger grün gestrichener Sekretär. Die grüne Farbe ist nie richtig getrocknet und deswegen ist der Sekretär am Fußboden und an der Wand festgeklebt. Die Schubladen lassen sich nicht aufziehen. Mama sagt, dass sowieso nur Plunder drin ist.
Neben dem Wohnzimmer ist Papas Arbeitszimmer. Dort sitzt er an verregneten oder windigen Tagen und schreibt auf seiner Schreibmaschine. Sonst sitzt er draußen in der Fliederlaube. Die Küche ist auch im Erd-geschoss. Wir essen fast immer in der Küche. Dann sitzen wir um den blau gestrichenen Tisch. In die Tischplatte haben mein Bruder Joel und ich mit unseren Gabeln Figuren geritzt. Hinter einer Tür in der Küche ist eine große Speisekammer. Dadrinnen riecht es gut nach Marmelade und Sirup, nach Zimt und Majoran, Ingwer und Zwie- beln, salzigen Gurken, Knäckebrot und nach noch viel mehr. Als Joel und ich noch richtig klein waren, sind wir oft an den Regalen hochgeklettert und haben Zuckerrat-ten unter den Marmeladengläsern gespielt. Ich erinnere mich, dass Mama richtig sauer auf uns geworden ist, als wir die Zierstreifen von den Regalkanten runtergerissen haben.
Im Stockwerk darüber gibt es einen langen Flur. Auf der einen Seite sind mehrere kleine Zimmer, in denen wir schlafen, und Abstellräume. Auf der anderen Seite hat Mama ihr Atelier. Ganz hinten im Flur führt eine schmale knarrende Leiter auf den Dachboden, von dem ich später mehr erzählen werde.
Von außen sieht unser Haus aus, als ab jemand daran geknabbert hätte. Wir haben überall Zahnpasta gefunden, auch ganz oben, wo unser Jüngster nicht hinreicht. Unsere älteste Schwester Rut behauptet, dass vor langer Zeit ein riesiges Ungeheuer an unserem Haus rumge-knuspelt hat. Sie sagt, es hat an allen Hausecken probiert und schließlich festgestellt, dass es nicht gut schmeckt. Da wurde das Ungeheuer böse und versetzte dem Haus einen Schlag mit dem Schwanz, so dass es ganz windschief wurde. Sie ist fast sicher, dass es eine riesige Eidechse war. Wir anderen kriegen eine Gänsehaut, wenn sie davon erzählt, aber wir fragen unsere große Schwester Rut nie, woher sie das alles weiß.Wir glauben, dass sie spinnt.

 
       
   
 
       
    Papa behauptet auch so einiges. Er sagt immer, unser Haus ist so wacklig, dass es eines schönen Tages zusammenbrechen wird, wenn wir weiter so darin herumhopsen und -klettern. Wir haben es ausprobiert, aber das Haus steht immer noch. Und das ist ein Glück, finden meine Geschwister und ich. Wir sagen zueinander, dass Papa es selbst abreißen soll, und dann laufen wir nach draußen und spielen Kriegen oder Verstecken oder was anderes Lustiges.  
       
       
    Deutsch von Angelika Kutsch  
    Titel der Schwedischen Originalausgabe: "Blårbärslandet".  
    ISBN 3-551-55139-1  

 

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