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Ich
heiße Botvid. Ich weiß nicht, warum. Fast alle
nennen mich Botti. Das klingt albern und kindisch, finde
ich, aber den anderen ist das egal. Und ganz besonders meinen
Geschwistern. Ich hab elf Stück. Sieben Brüder
und vier Schwestern. Außerdem hab ich eine Mama und
einen Papa. Im Sommer wohnen wir immer alle in einem alten
Holzhaus und im Winter, wenn die meisten von uns zur Schule
gehen, wohnen wir in einem alten Haus aus Stein. Ich will
ein bisschen erzählen, wie das Sommerhaus aussieht,
weil die Geschichte davon handeln soll, was wir im Sommer
machen. Deshalb spielt es ja keine Rolle, wie wir in der
Stadt wohnen.
Das Sommerhaus hat zwei Stockwerke, viele Fenster und einen
Speicher mit schrägen Wänden und auch vielen Fenstern.
Es ist so windschief, dass es richtig gefährlich aussieht,
wenn man es zum ersten Mal sieht. Im Erd-geschoss ist unsere
Wohnstube. Die ist voll gestopft mit Sachen. Mitten im Zimmer
steht ein großer Tisch aus Kiefernholz und zu beiden
Seiten lange Holzbänke. An einer Kette hängt eine
gusseiserne verschnörkelte Petroleumlampe von der Decke.
Vor dem geblümten Ecksofa in der Fensterecke stehen
ein Schaukelstuhl und ein acht-eckiger Teetisch mit Zeitungsablage.
Im Eckfenster haben ein Radio und eine Schneckenhaussammlung
Platz. Auf dem Fries überm Kachelofen kann man eine
Reihe sonderbar geformter Steine und Holzstückchen
bewundern. Und an den Wänden hängen eingerahmte
Fotografien von Tanten und Onkeln und fünfzehn Gemälde,
die Mama gemalt hat. Auf dem Fußboden liegen kreuz
und quer Fleckenteppiche. An der einen Schmalseite steht
ein riesiger grün gestrichener Sekretär. Die grüne
Farbe ist nie richtig getrocknet und deswegen ist der Sekretär
am Fußboden und an der Wand festgeklebt. Die Schubladen
lassen sich nicht aufziehen. Mama sagt, dass sowieso nur
Plunder drin ist.
Neben dem Wohnzimmer ist Papas Arbeitszimmer. Dort sitzt
er an verregneten oder windigen Tagen und schreibt auf seiner
Schreibmaschine. Sonst sitzt er draußen in der Fliederlaube.
Die Küche ist auch im Erd-geschoss. Wir essen fast
immer in der Küche. Dann sitzen wir um den blau gestrichenen
Tisch. In die Tischplatte haben mein Bruder Joel und ich
mit unseren Gabeln Figuren geritzt. Hinter einer Tür
in der Küche ist eine große Speisekammer. Dadrinnen
riecht es gut nach Marmelade und Sirup, nach Zimt und Majoran,
Ingwer und Zwie- beln, salzigen Gurken, Knäckebrot
und nach noch viel mehr. Als Joel und ich noch richtig klein
waren, sind wir oft an den Regalen hochgeklettert und haben
Zuckerrat-ten unter den Marmeladengläsern gespielt.
Ich erinnere mich, dass Mama richtig sauer auf uns geworden
ist, als wir die Zierstreifen von den Regalkanten runtergerissen
haben.
Im Stockwerk darüber gibt es einen langen Flur. Auf
der einen Seite sind mehrere kleine Zimmer, in denen wir
schlafen, und Abstellräume. Auf der anderen Seite hat
Mama ihr Atelier. Ganz hinten im Flur führt eine schmale
knarrende Leiter auf den Dachboden, von dem ich später
mehr erzählen werde.
Von außen sieht unser Haus aus, als ab jemand daran
geknabbert hätte. Wir haben überall Zahnpasta
gefunden, auch ganz oben, wo unser Jüngster nicht hinreicht.
Unsere älteste Schwester Rut behauptet, dass vor langer
Zeit ein riesiges Ungeheuer an unserem Haus rumge-knuspelt
hat. Sie sagt, es hat an allen Hausecken probiert und schließlich
festgestellt, dass es nicht gut schmeckt. Da wurde das Ungeheuer
böse und versetzte dem Haus einen Schlag mit dem Schwanz,
so dass es ganz windschief wurde. Sie ist fast sicher, dass
es eine riesige Eidechse war. Wir anderen kriegen eine Gänsehaut,
wenn sie davon erzählt, aber wir fragen unsere große
Schwester Rut nie, woher sie das alles weiß.Wir glauben,
dass sie spinnt.
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