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Rattenfänger-Literaturpreis
2000
Entscheidung gefallen
Am Samstag, 6. Mai, kürte die Jury des Hamelner Rattenfänger-Literaturpreises
aus 228 Bucheinsendungen einstimmig das Buch
Der Hund mit dem gelben Herzen oder die Geschichte vom
Gegenteil
der Autorin Jutta Richter (Carl Hanser Verlag, 1998) zum
diesjährigen Preisbuch.
Begründung
der Jury:
Jutta Richters phantastische Erzählung "Der
Hund mit dem gelben Herzen" ist eine Geschichte aus
zwei Welten. Sie spielt zum einen im Gartenschuppen von
Opa Schulte, in dem die Geschwister Lottamädchen und
Prinz Neumann einen streunenden Hund verstecken und füttern.
Aus Dankbarkeit für die Zuwendung erzählt der
Hund, der dank seiner Fremdsprachenbegabung neben Hündisch
auch Kätzisch, Täubisch und Menschisch sprechen
kann, den Kindern seine Lebensgeschichte, und entführt
damit die Leser in den paradiesischen Garten des großen
Erfinders G. Ott, der Himmel und Erde, Hell und Dunkel,
Fische und Vögel und vieles mehr geschaffen hat. Der
Hund erzählt auch von dessen teuflischem Freund Lobkowitz,
der aus einer trunkenen Laune heraus die Entwürfe von
G. Ott heimlich veränderte, mit denen er die Menschen
erschaffen wollte - und dadurch für immer aus dem Paradies
vertrieben wurde.
Jutta Richter ist eine kunstvoll aufgebaute Erzählung
gelungen, in der sie Lobkowitz` (und des Hundes) Suche nach
dem verlorenen Paradies gleichsetzt mit der menschlichen
Suche nach Geborgenheit. Wie hatte G. Ott gesagt, als er,
auf der Suche nach Freunden, sein Ebenbild erschaffen wollte:
"Wir müssen es teilen, das Glück. Das Leben,
das Licht, die Freude, den Frieden, das müssen wir
teilen."
Die raffinierte Verflechtung beider Ebenen, die scheinbar
spielerische Leichtigkeit, mit der Jutta Richter ein schwieriges
und menschlich bewegendes Thema in ihre Erzählung einbaut,
hat die Jury überzeugt. Der kindliche Leser kann von
den Abenteuern eines herrenlosen Hundes erfahren, der, wie
einst Scheherezade in "1001 Nacht", die Spannung
seiner Geschichte von G. Ott und Lobkowitz durchaus zweckmäßig
zu dosieren weiß, um sein Überleben für
den nächsten Tag zu sichern. Der jugendliche oder erwachsene
Leser wird von Einsamkeit lesen, von Freundschaft und Verrat,
vom göttlichen Paradies und menschlicher Hölle.
Und er wird verstehen, daß die Pforten des Paradieses
nicht offenstehen, sondern wir das Teilen von Leben, Freude
und Frieden auf Erden erlernen müssen.
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